Das Gesetz des Handelns

Das Gesetz des Handelns

Einer der letzte bedeutende Rabbiner des deutschen Rabbinats war Leo Baeck (1873-1956). Als führender Vertreter des jüdischen Liberalismus und Rabbiner der jüdischen Gemeinde Berlins bemühte er sich schon früh um interreligiöse und kulturelle Verständigung zwischen Juden und Christen in Deutschland. In der Zeit des Holocaust organisierte er die Flucht vieler Juden. Mehrmals hatte er die Möglichkeit, sich selbst und seine Familie durch Emigration zu retten. Er wies das Angebot, das ihm wie eine Flucht aus seinem Auftrag schien, zurück. 1943 wurde er mit seiner Familie in das Lager Theresienstadt deportiert. Schwer misshandelt überlebte er die Leiden des Lagers.

Nach Kriegsende übte er all seinen Einfluss aus, um deutsche Wärter und Wachmannschaften vor Racheakten zu schützen und bemühte sich aufs Neue um Versöhnung und Gespräch zwischen Juden und Christen. Er betete: “Friede sei den Menschen, die bösen Willens sind, und ein Ende sei gesetzt aller Rache ...”

In einer Zeit, in der fanatisierte Islamisten mitleidlos Menschen töten, weil sie denken sie tun Gott einen Gefallen damit, können wir uns an solchen Vorbildern orientieren. Leo Baeck war kein Christ, sondern Jude. Aber er lebte den Geist Jesu: Ihr habt gehört, dass gesagt worden ist: Du sollst deinen Nächsten lieben und deinen Feind hassen. Ich aber sage euch: Liebt eure Feinde und betet für die, die euch verfolgen.

Leo Baeck wusste: Nur Verstehen hilft weiter, das Mühen um Verständigung, ganz kleine Schritte aufeinander zu. Aber was verstehen? Der Islamische Theologe Ahmad Nofal beklagt die Selbstzerstörung der arabischen Welt. Unfähige Regierungen gäben Menschen weder Zukunft noch Hoffnung. So würden viele in die Radikalität abgedrängt.

In der Politik muss man konsequent handeln. Der Kampf gegen den Terror muss konsequent geführt werden. Aber wo ich selbst das Gesetz des Handelns bestimmen kann, kann es hilfreich sein, die „1001 Schritte geduldiger Ameisenarbeit“ (Lapide) zu gehen und damit zu beginnen, die Not des Anderen zu Herzen zu nehmen.

Genau das hat auch Christus getan. Er hat seinen angestammten Standort verlassen und sich auf unseren Standort gestellt. Von diesem aus hat er uns nicht verurteilt, sondern sich über uns erbarmt und erlöst.

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